Landau, November 2009. In dieser Woche erreichen die Bildungsproteste in den Hochschulen der Bundesrepublik einen neuen Höhepunkt. Im Vorfeld hat Bundeswissenschaftsministerin Prof. Dr. Annette Schavan signalisiert, dass Korrekturen notwendig seien. Das Bildungsbarometer hat dieser Thematik im September 2009 eine eigene Untersuchung gewidmet. Nunmehr liegen die Ergebnisse vor. Das Hauptergebnis der Befragung ist: 51% der Befragten sind der Meinung, dass eine Rückführung des Bologna-Prozesses nicht als Problemlösung ansteht, 43% der Befragten würden gerne Zustände wie »vor Bologna« an den deutschen Universitäten wieder herstellen.
Werden die gleichen Personen danach befragt, was sich durch den Bologna-Prozess verändert, stehen ernüchternde Antworten im Raum: Die Studierbarkeit wird geringer eingeschätzt, Workloads werden höher und die Belastung der Studierenden und der Lehrenden durch Bürokratisierung wird größer.
Was müsste vorrangig angegangen werden, damit die Umsetzung in bessere Bahnen gelenkt wird? Wo liegen die Prioritäten? Mit 27% aller Nennungen steht der Wunsch nach einer höheren Flexibilität beim Übergang von Bachelor zum Master im Vordergrund, gefolgt von der Notwendigkeit der Klärung des Bachelors für den Berufseinstieg (24%), und der höheren Flexibilität der Länge des Bachelorstudiums (19%).
Die Hochschulen haben sich verdient gemacht in einer getreuen Umsetzung des Bologna-Prozesses. Sie haben in einer Vielzahl von Fällen vergessen, dass die Methode »alten Wein in neue Schläuche zu pressen« eine Mogelpackung darstellt. Sie sind aber zugleich gezwungen in einer Übergangszeit mehrere Prüfungsordnungen zugleich zu bedienen. Das alles sind Bedingungen, die an den beteiligten Menschen vorbei gehen. Dabei gilt: Wer die Menschen nicht mitnimmt, wird sie gegen sich haben.
»Ich würde mir wünschen, dass nicht nur oberflächliche Korrekturen durchgeführt werden, sondern dass eine echte Reform realisiert wird, die in allen Fächern zu einer gesteigerten Professionalisierung führt. Dazu haben die Hochschulen ihren Beitrag zu leisten. Und sie werden dieses Ziel erreichen, wenn das notwendige Geld seitens der Länder bereitgestellt wird, damit die derzeitige Krise in der Betreuung der Studierenden überwunden werden kann«, so Prof. Dr. Reinhold S. Jäger, der Geschäftsführende Leiter des zepf. »Wenn in dieser Situation die Hochschulen eine begründetes Qualitätsmanagement realisieren, dann wissen sie vor Ort, wo der Schuh drückt und was an Ressourcen notwendig ist, um zu stabilen Verhältnissen für Studierende und Lehrende gleichermaßen zu kommen!«
Das Bildungsbarometer zum Thema »Bildungsproteste« wurde von einer spezifisch repräsentativen Stichprobe von 2.513 Personen aus der gesamten Bundesrepublik beantwortet.
Bildungsbarometer ist eine gemeinschaftliche Aktion der Schülerhilfe (Gelsenkirchen) und des Zentrums für empirische pädagogische Forschung (zepf) der Universität Koblenz-Landau.
Der zu dieser Befragung gehörende Newsletter mit den zentralen Ergebnissen ist unter dem Link: http://www.vep-landau.de/Bildungsbarometer/Newsletter_2009_3.pdf abrufbar.
Die vollständige Auswertung des Bildungsbarometers steht im Dezember auf der Website http://www.vep-landau.de/Bildungsbarometer.htm als download zur Verfügung.
News erstellt am: 18.11.2009
Kontakt:
Prof. Dr. Reinhold S. JägerWeitere Informationen:
http://www.zepf.uni-landau.de
http://www.bildungsbarometer.de
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